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Ausstellung in Vörstetten: "Verehrt, verwendet, vergessen: Alamannen im Spannungsfeld zwischen Politik und Zeitgeschichte"

02. Februar 2018
- 08. April 2018

Immer wieder wird uns von Besuchern unseres Museums die Frage gestellt, warum wir das Alamannenmuseum mit einem „a“ anstatt einem „e“ schreiben. Dies veranlasste uns zu der Idee, eine Ausstellung zum Alamannenbegriff zu konzipieren. Dieser taucht erstmals im Jahr 289 n. Chr. in römischen Quellen auf und bezeichnete germanische Stämme, welche sich in dem von den Römern nach dem Fall des Limes verlassenen, rechten Oberrheingebiet niederließen. Im Laufe der Geschichte erfuhr der ursprünglich als „Hilfsbezeichnung“ entstandene Alamannenbegriff einen entscheidenden Bedeutungswechsel und führte zu falschen und irreführenden Verwendungen mit teilweise fatalen Auswirkungen.
Während des frühen Mittelalters wurde das Siedlungsgebiet der „Alamanni“ als Herzogtum in das Frankenreich der Merowinger eingegliedert, und die römische Wortschöpfung zum herrschaftlichen Raumbegriff umgewandelt, der in den nachfolgenden Perioden vor allem in der historischen Forschung mit „e“ geschrieben wurde. Im 19. Jahrhundert erfolgte unter anderem durch Johann Peter Hebel und seine „Allemannischen Gedichte“ eine neue Verwendung des Begriffes als Volks- und Stammesbezeichnung. Gleichzeitig beschäftigte man sich mit der Frage, woher dieses „Volk“ kam. Eine Umdeutung ins „völkische“ erfolgte durch die Nationalsozialisten und fand seinen missbräuchlichen Höhepunkt in der NS-Rassenideologie. In diesem Zusammenhang richtet die Ausstellung auch den Blick auf die „Alemannenforschung“ in der Universitätsstadt Freiburg sowie das dort herausgegebene NS-Hetzblatt „Der Alemanne“.
Bis heute wirkt der Alamannenbegriff in vielfältiger Form nach – bis hin zur Bezeichnung der Deutschen als „les Allemands“ in der französischen Sprache und in einer Reihe von anderen Ländern. Seine Bedeutung und Verwendung ist aber auch durch eine Polarität gekennzeichnet, die einerseits durch Einrichtungen wie das „Alemannische Institut“ und die „Muettersproch-Gsellschaft“ und andererseits vom Missbrauch durch die Geschichtsdarstellung moderner rechter Ideologen bestimmt wird.
Bei den Alamannen, dem das Alamannenmuseum Vörstetten gewidmet ist, handelt es sich letztlich um eine archäologisch nachgewiesene (tote) Kultur ohne Traditionsanknüpfung an die Gegenwart, während das alemannische eine bis heute existierende, lebendige Sprach- und Brauchtumskultur darstellt, die sich in Süddeutschland, der Schweiz und dem benachbarten Elsass erst nach dem Ende der Antike über Jahrhunderte hinweg in seiner Eigenständigkeit entwickelt hat.

Eine Sonderausstellung des Alamannenmuseums, mit finanzieller Unterstützung der Raiffeisenbank Gundelfingen, der Stiftung „Humanismus heute“ sowie der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau

Alamannen-Museum Vörstetten, Denzlinger Straße 24a, 79279 Vörstetten
Öffnungszeiten: Mittwochs und Freitags 10-15 Uhr, Donnerstags 10-17 Uhr
www.alamannen-museum.de

 

 

Infos:

Start
02. Februar 2018
Ende
08. April 2018
Ort
Alamannen-Museum Vörstetten, Denzlinger Straße 24a, 79279 Vörstetten